Manche Städte muss man laut machen, damit sie auffallen. Oldenburg gehört nicht dazu. Wer aus dem Bahnhof tritt und in die Innenstadt läuft, merkt schnell: Hier wird nicht gedrängelt. Die Altstadt ist autofrei, die Wege sind kurz, und zwischen Backsteingiebeln, Cafés und dem Schloss liegt eine Gelassenheit, die viele Besucher überrascht. Oldenburg ist Universitätsstadt, war jahrhundertelang Residenz und nennt sich selbst augenzwinkernd Grünkohlhauptstadt. Diese Mischung macht den Reiz aus.
Für viele ist Oldenburg das Tor zur Nordsee – die Stadt liegt verkehrsgünstig zwischen Bremen und Ostfriesland, der Jadebusen ist eine knappe halbe Stunde entfernt. Doch Oldenburg ist mehr als Durchgangsstation. Dieser Reiseführer zeigt die Sehenswürdigkeiten, die wirklich lohnen, die besten Aktivitäten bei Sonne und bei Regen und ein paar Ecken, die selbst manche Einheimische erst auf den zweiten Blick schätzen lernen.
Warum Oldenburg so besonders ist
Oldenburg ist mit rund 170.000 Einwohnern groß genug für Kultur, Theater und ein lebendiges Innenstadtleben – und klein genug, dass man alles zu Fuß erreicht. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört, weshalb der historische Kern mit dem Schloss, dem Lappan und den Bürgerhäusern erhalten geblieben ist. Das spürt man: Oldenburg wirkt gewachsen, nicht zusammengesetzt.
Prägend ist das viele Grün. Der Schlossgarten zieht sich mitten durch die Stadt, der alte Wall bildet einen grünen Ring um die Altstadt, und an der Hunte lässt es sich herrlich spazieren und radeln. Oldenburg gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands – flach, kompakt, mit dichtem Radwegenetz. Wer mit dem Rad anreist oder eins leiht, hat die Stadt im Handumdrehen erschlossen.
„Oldenburg ist die seltene Stadt, in der man morgens durch einen englischen Landschaftsgarten schlendert und abends an der Nordsee in den Sonnenuntergang fährt."
Die schönsten Sehenswürdigkeiten
Das Oldenburger Schloss ist der natürliche Mittelpunkt. Aus einer mittelalterlichen Wasserburg der Oldenburger Grafen entstand über die Jahrhunderte eine Residenz, die heute das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte beherbergt. Schon der Blick auf die gelbe Fassade am Schlossplatz lohnt sich, innen warten herrschaftliche Räume und eine sehenswerte Sammlung.
Direkt anschließend liegt der Schlossgarten, im 19. Jahrhundert im englischen Stil angelegt. Auf rund 16 Hektar wechseln sich Wiesen, alter Baumbestand, kleine Wasserläufe und im Frühsommer blühende Rhododendren ab. Ein historisches Gärtnerhaus, ein Teepavillon und ein tropisches Gewächshaus runden das Bild ab. Im Mai und Juni ist die Rhododendronblüte ein Erlebnis.
Das zweite Wahrzeichen ist der Lappan, der spätgotische Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert. Er steht am Übergang von Innenstadt und Fußgängerzone und ist seit Generationen der Treffpunkt der Stadt. Wenige Schritte weiter ragt der Turm der Lambertikirche auf, deren klassizistischer Rundbau im Inneren überrascht.
Wer Architektur und Geschichte mag, sollte sich das Alte Rathaus am Rathausmarkt und die schmalen Gassen der Altstadt mit ihren Bürgerhäusern ansehen. Für Kultur stehen gleich mehrere Häuser bereit:
- Horst-Janssen-Museum: dem weltbekannten Oldenburger Zeichner und Grafiker gewidmet, mit wechselnden Ausstellungen
- Landesmuseum Natur und Mensch: anschaulich erzählt von Moor, Marsch, Geest und Watt – ideal mit Kindern
- Edith-Russ-Haus für Medienkunst: einer der spannendsten Orte für zeitgenössische, digitale Kunst im Nordwesten
- Augusteum und Schlosswache: Außenstellen des Landesmuseums mit klassischer Malerei
Die schönsten Aktivitäten
Bei Sonne gehört der Tag nach draußen. Der Schlossgarten lädt zum Picknick, der Wall zum Spazieren, und die Hunte zum Radeln oder zu einer Bootstour. Der Botanische Garten der Universität mit seinen heimischen und exotischen Pflanzen ist frei zugänglich und ein ruhiger Rückzugsort. Wer aktiv sein will, leiht sich ein Rad und fährt hinaus ins flache Umland Richtung Hunte und Geest.
Bei Regen spielt Oldenburg seine kulturelle Dichte aus. Das Landesmuseum im Schloss, das Horst-Janssen-Museum und das Landesmuseum Natur und Mensch füllen problemlos einen Nachmittag. Ein echtes Erlebnis ist das Wallkino, ein liebevoll geführtes Programmkino in der Altstadt, das es seit Jahrzehnten gibt. Danach passt ein Stück Kuchen in einem der inhabergeführten Cafés rund um den Leffersplatz.
Für Paare ist Oldenburg ideal für ein langes Wochenende: bummeln durch die Fußgängerzone, ein Abendessen in der Altstadt, ein Spaziergang durch den abendlichen Schlossgarten. Für Familien sind das Landesmuseum Natur und Mensch, der Schlossgarten mit Spielmöglichkeiten und ein Ausflug zum Tierpark Thüle im Umland gute Anlaufpunkte. Wer mehr Bewegung sucht, findet Freibäder und Sportanlagen über die ganze Stadt verteilt.
Events und Veranstaltungen
Oldenburg hat einen festen Veranstaltungskalender mit ein paar echten Höhepunkten, die jedes Jahr wiederkehren:
- Kramermarkt (Anfang Oktober): das größte Volksfest im Nordwesten, zehn Tage Rummel mit Festumzug an den Weser-Ems-Hallen. Über eine Million Besucher kommen – in Oldenburg „die fünfte Jahreszeit"
- Oldenburger Stadtfest (Ende August): eines der größten kostenlosen Musikfeste Norddeutschlands, mit Bühnen in der ganzen Innenstadt
- Lambertimarkt (Advent): stimmungsvoller Weihnachtsmarkt am Schlossplatz, eingerahmt von Schloss, Altem Rathaus und Lambertikirche, mit Riesenrad
- Kohlfahrten und Grünkohlsaison (Januar/Februar): die deftige Tradition, bei der Gruppen durchs Umland ziehen und anschließend Grünkohl mit Pinkel essen
Wer mehr über das Veranstaltungsjahr an der gesamten Küste wissen will, findet eine Übersicht in unserem Beitrag zu den Veranstaltungen an der Nordsee und in Ostfriesland.
Geheimtipps für Oldenburg
Abseits der bekannten Adressen lohnt sich ein Bummel über den Wochenmarkt am Rathausmarkt und am Pferdemarkt – hier kauft die halbe Stadt regional ein, von ostfriesischem Tee bis zu frischem Fisch. Ein ruhiger Geheimtipp ist das Cäcilienviertel und das Künstlerviertel rund um die Donnerschwee mit kleinen Läden und Ateliers.
Wer das studentische Oldenburg sucht, landet im Bahnhofsviertel und rund um die Universität, wo es Bars, Spätis und eine entspannte Szene gibt. Naturfans fahren an die Hunte oder hinaus zum Bornhorster See, einem Naturschutzgebiet mit Vogelwelt direkt am Stadtrand – perfekt für eine ruhige Runde abseits der Innenstadt.
Essen, Trinken und Einkehren
Kulinarisch ist Oldenburg bodenständig und vielfältig zugleich. Das bekannteste Aushängeschild ist der Grünkohl mit Pinkel, der in den Wintermonaten in vielen traditionellen Gasthäusern auf der Karte steht – ein deftiges Gericht, das hier fast religiös zelebriert wird. Wer regionaler essen möchte, findet rund um den Lefferseck und in der Wallstraße eine dichte Auswahl an inhabergeführten Restaurants, von norddeutscher Küche bis international.
Für die Kaffeepause lohnen die kleinen Cafés und Konditoreien in der Fußgängerzone und in den Seitenstraßen der Altstadt – viele mit hausgebackenem Kuchen. Ein Muss für den ersten Eindruck ist der Wochenmarkt am Rathausmarkt und am Pferdemarkt, wo regionale Erzeuger Käse, Fisch, ostfriesischen Tee und frisches Gemüse anbieten. Wer es typisch norddeutsch mag, bestellt einen ostfriesischen Tee mit Kluntje und Sahne – das passende Ritual für einen ruhigen Nachmittag.
Perfekt für einen Kurzurlaub
Oldenburg ist die ideale Basis, um Stadt und Küste zu verbinden. Morgens Kultur und Café in der Altstadt, mittags mit dem Rad an die Hunte, und wer mag, ist am Nachmittag schon am Jadebusen oder in Dangast. Genau diese Lage macht die Stadt auch als Standort für eine Ferienwohnung interessant – Gäste schätzen die Nähe zu Messe, Universität, Innenstadt und Meer gleichermaßen.
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Häufige Fragen
Lohnt sich ein Tagesausflug nach Oldenburg?
Ja. Die Altstadt ist kompakt und autofrei, Schloss, Lappan, Lambertikirche und die Fußgängerzone liegen wenige Gehminuten auseinander. Ein Tag reicht für die Highlights, für Museen und Schlossgarten lohnt sich ein zweiter.
Was kann man in Oldenburg bei Regen machen?
Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte im Schloss, das Horst-Janssen-Museum, das Landesmuseum Natur und Mensch, das Edith-Russ-Haus für Medienkunst und das traditionsreiche Wallkino bieten sich bei schlechtem Wetter an.
Warum heißt Oldenburg Grünkohlhauptstadt?
In der Region hat das gemeinsame Grünkohlessen eine lange Tradition. Von Januar bis Februar ziehen Gruppen auf Kohlfahrten durchs Umland und kehren danach zum Grünkohl mit Pinkel ein. Oldenburg krönt jedes Jahr einen Kohlkönig.
Wann ist der Oldenburger Kramermarkt?
Der Kramermarkt findet jedes Jahr Anfang Oktober statt – das größte Volksfest im Nordwesten mit rund 250 Buden und Fahrgeschäften an den Weser-Ems-Hallen. Er gilt als die fünfte Jahreszeit Oldenburgs.
Ist Oldenburg ein guter Ausgangspunkt für die Nordsee?
Sehr gut. Von Oldenburg sind Dangast, der Jadebusen und die ostfriesische Küste in etwa 30 bis 60 Minuten erreichbar. Die Stadt verbindet Kultur und Stadtleben mit kurzen Wegen ans Meer.
Kann man Oldenburg gut mit dem Fahrrad erkunden?
Oldenburg ist eine ausgesprochene Fahrradstadt mit dichtem Radwegenetz und flachem Gelände. Der Schlossgarten, der Wall und die Hunte lassen sich entspannt per Rad verbinden.
Was ist der Lappan in Oldenburg?
Der Lappan ist der historische Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert und das Wahrzeichen Oldenburgs. Er steht am Übergang von Innenstadt und Fußgängerzone und ist ein beliebter Treffpunkt.
Welche Aktivitäten gibt es in Oldenburg für Familien?
Das Landesmuseum Natur und Mensch, der Schlossgarten, der Botanische Garten der Universität, das Freizeitbad und im Umland der Tierpark Thüle eignen sich gut für Familien mit Kindern.
Bildnachweis Titelbild: Lappan Oldenburg, Foto Pujanak, Public domain, via Wikimedia Commons.
